Mit zunehmendem Alter lässt die physiologische Funktion der Haut nach. Diese Veränderungen werden sowohl durch intrinsische (chronologische) als auch durch extrinsische (vorwiegend UV-bedingte) Faktoren hervorgerufen. Pflanzliche Inhaltsstoffe bieten potenzielle Vorteile im Kampf gegen einige der Zeichen der Hautalterung. In diesem Artikel werden ausgewählte pflanzliche Inhaltsstoffe und die wissenschaftlichen Belege für ihre Anti-Aging-Wirkung vorgestellt. Pflanzliche Inhaltsstoffe können entzündungshemmend, antioxidativ, feuchtigkeitsspendend, UV-schützend und weitere Effekte haben. Zahlreiche pflanzliche Inhaltsstoffe sind in gängigen Kosmetika und Kosmezeutika enthalten, hier werden jedoch nur einige wenige besprochen. Die Auswahl erfolgte anhand der Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten, des persönlichen Interesses der Autoren und der wahrgenommenen Beliebtheit aktueller Kosmetik- und Kosmezeutika-Produkte. Zu den hier besprochenen pflanzlichen Inhaltsstoffen gehören Arganöl, Kokosöl, Crocin, Mutterkraut, Grüner Tee, Ringelblume, Granatapfel und Soja.
Schlüsselwörter: pflanzlich; Anti-Aging; Arganöl; Kokosnussöl; Crocin; Mutterkraut; Grüner Tee; Ringelblume; Granatapfel; Soja

3.1. Arganöl


3.1.1. Geschichte, Verwendung und Ansprüche
Arganöl ist in Marokko heimisch und wird aus den Samen von Argania sponosa L. gewonnen. Es hat zahlreiche traditionelle Anwendungsgebiete, wie zum Beispiel beim Kochen, bei der Behandlung von Hautinfektionen sowie in der Haut- und Haarpflege.
3.1.2. Zusammensetzung und Wirkungsmechanismus
Arganöl besteht zu 80 % aus einfach ungesättigten Fettsäuren und zu 20 % aus gesättigten Fettsäuren und enthält Polyphenole, Tocopherole, Sterole, Squalen und Triterpenalkohol.
3.1.3. Wissenschaftliche Beweise
Arganöl wird in Marokko traditionell zur Reduzierung von Gesichtspigmentierung eingesetzt, doch die wissenschaftliche Grundlage dieser Behauptung war bisher unbekannt. In einer Studie an Mäusen hemmte Arganöl die Expression von Tyrosinase und Dopachrom-Tautomerase in B16-Mausmelanomzellen, was zu einer dosisabhängigen Abnahme des Melaningehalts führte. Dies deutet darauf hin, dass Arganöl ein wirksamer Inhibitor der Melaninbiosynthese sein könnte. Um diese Hypothese zu bestätigen, sind jedoch randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs) an Menschen erforderlich.
Eine kleine randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) mit 60 postmenopausalen Frauen deutete darauf hin, dass der tägliche Konsum und/oder die topische Anwendung von Arganöl den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) verringerte und die Hautelastizität verbesserte. Dies basierte auf einer Erhöhung der Parameter R2 (Bruttoelastizität der Haut), R5 (Nettoelastizität der Haut) und R7 (biologische Elastizität) sowie einer Verringerung der Resonanzlaufzeit (RRT) (ein Messwert, der umgekehrt proportional zur Hautelastizität ist). Die Gruppen wurden randomisiert entweder Olivenöl oder Arganöl zugeteilt. Beide Gruppen trugen Arganöl ausschließlich auf die linke Handgelenksinnenseite auf. Die Messungen erfolgten an beiden Handgelenksinnenseiten. Verbesserungen der Elastizität zeigten sich in beiden Gruppen an dem Handgelenk, an dem das Arganöl topisch angewendet wurde. An dem Handgelenk, an dem kein Arganöl angewendet wurde, wies jedoch nur die Gruppe, die Arganöl konsumierte, signifikante Zunahmen der Elastizität auf [31]. Dies wurde auf den höheren Gehalt an Antioxidantien in Arganöl im Vergleich zu Olivenöl zurückgeführt. Es wird vermutet, dass dies auf den Gehalt an Vitamin E und Ferulasäure zurückzuführen sein könnte, die als Antioxidantien bekannt sind.
3.2. Kokosöl
3.2.1. Geschichte, Verwendung und Ansprüche
Kokosöl wird aus den getrockneten Früchten der Kokosnuss (Cocos nucifera) gewonnen und findet seit jeher vielfältige Verwendung. Es wird als Duftstoff, Haut- und Haarpflegemittel sowie in zahlreichen Kosmetikprodukten eingesetzt. Obwohl es zahlreiche Derivate von Kokosöl gibt, darunter Kokosfettsäure, hydrierte Kokosfettsäure und hydriertes Kokosöl, konzentrieren wir uns hier auf Forschungsergebnisse, die sich hauptsächlich auf natives Kokosöl (VCO) beziehen, welches ohne Hitzeeinwirkung hergestellt wird.
Kokosöl wird zur Hautpflege von Säuglingen eingesetzt und könnte aufgrund seiner feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften sowie seiner potenziellen Wirkung auf Staphylococcus aureus und andere Hautmikroben bei atopischen Dermatitis-Patienten hilfreich sein. In einer doppelblinden, randomisierten, kontrollierten Studie konnte gezeigt werden, dass Kokosöl die Besiedlung der Haut mit S. aureus bei Erwachsenen mit atopischer Dermatitis verringert.

3.2.2. Zusammensetzung und Wirkungsmechanismus
Kokosöl besteht zu 90–95 % aus gesättigten Triglyceriden (Laurinsäure, Myristinsäure, Caprylsäure, Caprinsäure und Palmitinsäure). Dies steht im Gegensatz zu den meisten pflanzlichen Ölen, die überwiegend aus ungesättigten Fettsäuren bestehen. Gesättigte Triglyceride wirken bei äußerlicher Anwendung feuchtigkeitsspendend, indem sie trockene, eingerollte Ränder der Hornzellen glätten und die Zwischenräume auffüllen.
3.2.3. Wissenschaftliche Beweise
Kokosöl spendet trockener, reifer Haut Feuchtigkeit. 62 % der Fettsäuren im nativen Kokosöl (VCO) weisen eine ähnliche Kettenlänge auf, und 92 % sind gesättigt. Dies ermöglicht eine dichtere Packung und führt zu einer stärkeren Okklusivwirkung als bei Olivenöl. Die Triglyceride im Kokosöl werden durch Lipasen der natürlichen Hautflora in Glycerin und Fettsäuren gespalten. Glycerin ist ein starkes Feuchthaltemittel, das Wasser aus der Umgebung und tieferen Hautschichten in die Hornschicht der Epidermis zieht. Die Fettsäuren im VCO haben einen niedrigen Linolsäuregehalt, was relevant ist, da Linolsäure Hautreizungen verursachen kann. Kokosöl ist Mineralöl bei der Reduzierung des transepidermalen Wasserverlusts (TEWL) bei Patienten mit atopischer Dermatitis überlegen und bei der Behandlung von Xerose genauso wirksam und sicher.
Laurinsäure, eine Vorstufe von Monolaurin und ein wichtiger Bestandteil von nativem Kokosöl (VCO), besitzt möglicherweise entzündungshemmende Eigenschaften, kann die Proliferation von Immunzellen modulieren und ist für einige der antimikrobiellen Wirkungen von VCO verantwortlich. VCO enthält hohe Mengen an Ferulasäure und p-Cumarsäure (beides Phenolsäuren), und hohe Konzentrationen dieser Phenolsäuren sind mit einer erhöhten antioxidativen Kapazität verbunden. Phenolsäuren sind wirksam gegen UV-bedingte Schäden. Trotz Behauptungen, Kokosöl könne als Sonnenschutzmittel dienen, deuten In-vitro-Studien jedoch darauf hin, dass es nur geringe oder gar keine UV-Blockierungswirkung besitzt.
Neben seinen feuchtigkeitsspendenden und antioxidativen Eigenschaften deuten Tiermodelle darauf hin, dass VCO die Wundheilung verkürzen kann. In mit VCO behandelten Wunden wurde im Vergleich zu Kontrollwunden ein erhöhter Gehalt an pepsinlöslichem Kollagen (stärkere Kollagenvernetzung) festgestellt. Histopathologische Untersuchungen zeigten eine erhöhte Fibroblastenproliferation und Neovaskularisation in diesen Wunden. Weitere Studien sind erforderlich, um zu untersuchen, ob die topische Anwendung von VCO den Kollagenspiegel in alternder menschlicher Haut erhöhen kann.
3.3. Crocin


3.3.1. Geschichte, Verwendung, Ansprüche
Crocin ist ein biologisch aktiver Bestandteil von Safran, der aus den getrockneten Narben von Crocus sativus L. gewonnen wird. Safran wird in vielen Ländern angebaut, darunter Iran, Indien und Griechenland, und wird in der traditionellen Medizin zur Linderung einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, darunter Depressionen, Entzündungen, Lebererkrankungen und viele andere.
3.3.2. Zusammensetzung und Wirkungsmechanismus
Crocin ist für die Farbe von Safran verantwortlich. Es kommt auch in den Früchten von Gardenia jasminoides Ellis vor und zählt zu den Carotinoidglykosiden.
3.3.3. Wissenschaftliche Beweise
Crocin besitzt antioxidative Eigenschaften, schützt Squalen vor UV-induzierter Peroxidation und hemmt die Freisetzung von Entzündungsmediatoren. Die antioxidative Wirkung wurde in In-vitro-Assays nachgewiesen, die eine höhere antioxidative Aktivität als Vitamin C zeigten. Darüber hinaus hemmt Crocin die UVA-induzierte Zellmembranperoxidation und die Expression zahlreicher proinflammatorischer Mediatoren, darunter IL-8, PGE-2, IL-6, TNF-α, IL-1α und LTB4. Es reduziert außerdem die Expression mehrerer NF-κB-abhängiger Gene. In einer Studie mit kultivierten humanen Fibroblasten reduzierte Crocin UV-induzierte ROS, förderte die Expression des extrazellulären Matrixproteins Col-1 und verringerte die Anzahl von Zellen mit seneszenten Phänotypen nach UV-Bestrahlung. Es verringert die ROS-Produktion und begrenzt die Apoptose. Crocin hemmt in vitro die ERK/MAPK/NF-κB/STAT-Signalwege in HaCaT-Zellen. Obwohl Crocin Potenzial als Anti-Aging-Kosmetikmittel besitzt, ist die Substanz instabil. Die Anwendung nanostrukturierter Lipiddispersionen zur topischen Applikation wurde mit vielversprechenden Ergebnissen untersucht. Um die Wirkung von Crocin in vivo zu bestimmen, sind weitere Tiermodelle und randomisierte klinische Studien erforderlich.
3.4. Mutterkraut
3.4.1. Geschichte, Verwendung, Ansprüche
Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist eine mehrjährige Pflanze, die in der Volksmedizin für verschiedene Zwecke verwendet wird.
3.4.2. Zusammensetzung und Wirkungsmechanismus
Mutterkraut enthält Parthenolid, ein Sesquiterpenlacton, das möglicherweise für einen Teil seiner entzündungshemmenden Wirkung durch die Hemmung von NF-κB verantwortlich ist. Diese Hemmung von NF-κB scheint unabhängig von den antioxidativen Wirkungen von Parthenolid zu sein. Parthenolid zeigte zudem in vitro eine krebshemmende Wirkung gegen UVB-induzierten Hautkrebs und gegen Melanomzellen. Leider kann Parthenolid auch allergische Reaktionen, Bläschen im Mund und allergische Kontaktdermatitis auslösen. Aufgrund dieser Bedenken wird es heutzutage in der Regel entfernt, bevor Mutterkraut Kosmetikprodukten zugesetzt wird.

3.4.3. Wissenschaftliche Beweise
Aufgrund möglicher Komplikationen bei der topischen Anwendung von Parthenolid verwenden einige Kosmetikprodukte mit Mutterkraut parthenolidfreies Mutterkraut (PD-Mutterkraut), das als frei von Sensibilisierungspotenzial gilt. PD-Mutterkraut kann die körpereigene DNA-Reparaturaktivität der Haut steigern und so potenziell UV-bedingte DNA-Schäden verringern. In einer In-vitro-Studie schwächte PD-Mutterkraut die UV-induzierte Wasserstoffperoxidbildung ab und verringerte die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine. Es zeigte stärkere antioxidative Wirkungen als das Vergleichspräparat Vitamin C und reduzierte UV-bedingte Erytheme in einer randomisierten, kontrollierten Studie mit 12 Probanden.
3.5. Grüner Tee


3.5.1. Geschichte, Verwendung, Ansprüche
Grüner Tee wird in China seit Jahrhunderten aufgrund seiner gesundheitsfördernden Eigenschaften konsumiert. Wegen seiner starken antioxidativen Wirkung besteht Interesse an der Entwicklung einer stabilen, bioverfügbaren topischen Formulierung.
3.5.2. Zusammensetzung und Wirkungsmechanismus
Grüner Tee, gewonnen aus Camellia sinensis, enthält zahlreiche bioaktive Verbindungen mit potenziellen Anti-Aging-Effekten, darunter Koffein, Vitamine und Polyphenole. Die wichtigsten Polyphenole im grünen Tee sind Catechine, insbesondere Gallocatechin, Epigallocatechin (ECG) und Epigallocatechin-3-gallat (EGCG). Epigallocatechin-3-gallat besitzt antioxidative, photoprotektive, immunmodulatorische, antiangiogene und entzündungshemmende Eigenschaften. Grüner Tee enthält zudem hohe Mengen des Flavonolglykosids Kaempferol, das nach topischer Anwendung gut von der Haut aufgenommen wird.
3.5.3. Wissenschaftliche Beweise
Grüntee-Extrakt reduziert die intrazelluläre ROS-Produktion in vitro und verringert ROS-induzierte Nekrosen. Epigallocatechin-3-gallat (ein Grüntee-Polyphenol) hemmt die UV-induzierte Freisetzung von Wasserstoffperoxid, unterdrückt die Phosphorylierung von MAPK und reduziert Entzündungen durch Aktivierung von NF-κB. An ex vivo Haut einer gesunden 31-jährigen Frau konnte gezeigt werden, dass nach UV-Bestrahlung Langerhans-Zellen (antigenpräsentierende Zellen, die für die Immunantwort der Haut verantwortlich sind) nach Vorbehandlung mit Weiß- oder Grüntee-Extrakt erhalten blieben.
In einem Mausmodell führte die topische Anwendung von Grüntee-Extrakt vor UV-Bestrahlung zu einer Verringerung des Erythems, der Hautinfiltration von Leukozyten und der Myeloperoxidase-Aktivität. Außerdem kann es die 5-α-Reduktase hemmen.
Mehrere Studien an menschlichen Probanden untersuchten den potenziellen Nutzen der topischen Anwendung von Grüntee. Die topische Anwendung einer Grüntee-Emulsion hemmte die 5-α-Reduktase und führte zu einer Verkleinerung der Mikrokomedonen bei mikrokomedonaler Akne. In einer kleinen, sechswöchigen Studie mit Probanden an verschiedenen Gesichtshälften reduzierte eine EGCG-haltige Creme die Expression von Hypoxie-induzierbarem Faktor 1α (HIF-1α) und vaskulärem endothelialem Wachstumsfaktor (VEGF) und zeigte damit das Potenzial, Teleangiektasien vorzubeugen. In einer doppelblinden Studie wurde zehn gesunden Probanden entweder Grüntee, Weißtee oder ein Placebo auf das Gesäß aufgetragen. Anschließend wurde die Haut mit der doppelten minimalen Erythemdosis (MED) simulierter UV-Strahlung bestrahlt. Hautbiopsien dieser Stellen zeigten, dass die Anwendung von Grüntee- oder Weißtee-Extrakt den Verlust von Langerhans-Zellen, gemessen anhand der CD1a-Positivität, signifikant reduzieren konnte. Es zeigte sich auch eine teilweise Prävention von UV-induzierten oxidativen DNA-Schäden, was sich in verringerten 8-OHdG-Werten widerspiegelte. In einer anderen Studie wurden 90 erwachsene Freiwillige randomisiert drei Gruppen zugeteilt: keine Behandlung, topischer Grüntee oder topischer Weißtee. Jede Gruppe wurde zusätzlich in verschiedene UV-Strahlungsstufen unterteilt. Der in vivo ermittelte Lichtschutzfaktor (LSF) lag bei etwa 1.
3.6. Ringelblume


3.6.1. Geschichte, Verwendung, Ansprüche
Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist eine aromatische Blühpflanze mit potenziellen therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten. Sie wird in der Volksmedizin Europas und der USA traditionell zur äußerlichen Anwendung bei Verbrennungen, Prellungen, Schnittwunden und Hautausschlägen eingesetzt. Darüber hinaus zeigte die Ringelblume in Mausmodellen für nicht-melanomartigen Hautkrebs krebshemmende Wirkungen.
3.6.2. Zusammensetzung und Wirkungsmechanismus
Die Hauptbestandteile von Ringelblumen sind Steroide, Terpene, freie und veresterte Triterpenalkohole, Phenolsäuren, Flavonoide und weitere Verbindungen. Obwohl eine Studie zeigte, dass die topische Anwendung von Ringelblumenextrakt die Schwere und die Schmerzen von Strahlendermatitis bei Patientinnen, die wegen Brustkrebs bestrahlt werden, verringern kann, ergaben andere klinische Studien keine Überlegenheit gegenüber der alleinigen Anwendung einer wässrigen Creme.
3.6.3. Wissenschaftliche Beweise
Ringelblumen besitzen nachweislich antioxidatives Potenzial und zytotoxische Wirkungen auf menschliche Krebszellen in einem In-vitro-Modell menschlicher Hautzellen. In einer separaten In-vitro-Studie wurde eine Ringelblumenöl-haltige Creme mittels UV-Spektrophotometrie untersucht. Dabei wurde ein Absorptionsspektrum im Bereich von 290–320 nm festgestellt, was auf einen guten Sonnenschutz durch die Anwendung dieser Creme hindeutet. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass es sich hierbei nicht um einen In-vivo-Test handelte, bei dem die minimale Erythemdosis an Probanden ermittelt wurde, und es bleibt unklar, inwieweit sich die Ergebnisse auf klinische Studien übertragen lassen.
In einem In-vivo-Mausmodell zeigte Ringelblumenextrakt nach UV-Bestrahlung eine starke antioxidative Wirkung. In einer anderen Studie mit Albinoratten senkte die topische Anwendung von Ringelblumenöl den Malondialdehyd-Spiegel (einen Marker für oxidativen Stress) und erhöhte gleichzeitig die Konzentrationen von Katalase, Glutathion, Superoxiddismutase und Ascorbinsäure in der Haut.
In einer achtwöchigen einfachblinden Studie mit 21 Probanden erhöhte die Anwendung von Ringelblumencreme auf die Wangen die Hautstraffheit, hatte aber keine signifikanten Auswirkungen auf die Hautelastizität.
Eine mögliche Einschränkung bei der Verwendung von Ringelblumen in Kosmetika besteht darin, dass Ringelblumen, wie auch einige andere Mitglieder der Familie der Korbblütler, als Auslöser von allergischer Kontaktdermatitis bekannt sind.
3.7. Granatapfel


3.7.1. Geschichte, Verwendung, Ansprüche
Granatapfel (Punica granatum) besitzt ein starkes antioxidatives Potenzial und wird in zahlreichen Produkten als topisches Antioxidans eingesetzt. Aufgrund seines hohen Gehalts an Antioxidantien ist er ein interessanter potenzieller Inhaltsstoff in Kosmetikprodukten.
3.7.2. Zusammensetzung und Wirkungsmechanismus
Die biologisch aktiven Bestandteile des Granatapfels sind Tannine, Anthocyane, Ascorbinsäure, Niacin, Kalium und Piperidinalkaloide. Diese Bestandteile lassen sich aus Saft, Kernen, Schale, Rinde, Wurzel oder Stamm des Granatapfels gewinnen. Einigen dieser Bestandteile werden antitumorale, entzündungshemmende, antimikrobielle, antioxidative und photoprotektive Wirkungen zugeschrieben. Darüber hinaus ist Granatapfel eine reichhaltige Quelle an Polyphenolen. Elleginsäure, ein Bestandteil des Granatapfelextrakts, kann die Hautpigmentierung reduzieren. Aufgrund seines vielversprechenden Anti-Aging-Wirkstoffs wurden in zahlreichen Studien Methoden zur Verbesserung der Hautpenetration dieser Verbindung für die topische Anwendung untersucht.
3.7.3. Wissenschaftliche Beweise
Granatapfelextrakt schützt humane Fibroblasten in vitro vor UV-induziertem Zelltod, vermutlich durch verminderte Aktivierung von NF-κB, Herunterregulierung des proapoptotischen Caspase-3 und verstärkte DNA-Reparatur. Er zeigt in vitro tumorhemmende Wirkungen auf die Haut und inhibiert die UVB-induzierte Modulation der NF-κB- und MAPK-Signalwege. Die topische Anwendung von Granatapfelschalenextrakt führt zu einer Herunterregulierung von COX-2 in frisch extrahierter Schweinehaut und damit zu signifikanten entzündungshemmenden Effekten. Obwohl Ellegsäure häufig als der aktivste Bestandteil von Granatapfelextrakt gilt, zeigte ein Mausmodell eine höhere entzündungshemmende Wirkung von standardisiertem Granatapfelschalenextrakt im Vergleich zu Ellegsäure allein. Die topische Anwendung einer Mikroemulsion aus Granatapfelextrakt unter Verwendung eines Polysorbat-Tensids (Tween 80®) zeigte in einer 12-wöchigen Split-Face-Vergleichsstudie mit 11 Probanden eine Verringerung des Melanins (aufgrund der Tyrosinasehemmung) und des Erythems im Vergleich zur Vehikelkontrolle.
3.8. Soja


3.8.1. Geschichte, Nutzung, Ansprüche
Sojabohnen sind ein proteinreiches Lebensmittel mit bioaktiven Inhaltsstoffen, die Anti-Aging-Wirkungen haben können. Insbesondere sind Sojabohnen reich an Isoflavonen, die aufgrund ihrer Diphenolstruktur antikarzinogene und östrogenähnliche Wirkungen haben können. Diese östrogenähnlichen Effekte könnten möglicherweise einigen Auswirkungen der Menopause auf die Hautalterung entgegenwirken.
3.8.2. Zusammensetzung und Wirkungsmechanismus
Soja (Glycine maxi) ist reich an Proteinen und enthält Isoflavone wie Glycitein, Equol, Daidzein und Genistein. Diese Isoflavone, auch Phytoöstrogene genannt, können beim Menschen östrogene Wirkungen haben.
3.8.3. Wissenschaftliche Beweise
Sojabohnen enthalten zahlreiche Isoflavone mit potenziellen Anti-Aging-Eigenschaften. Glycitein zeigt unter anderem antioxidative Wirkungen. Dermale Fibroblasten, die mit Glycitein behandelt wurden, wiesen eine erhöhte Zellproliferation und -migration, eine gesteigerte Synthese von Kollagen Typ I und III sowie eine verringerte MMP-1-Expression auf. In einer separaten Studie wurde Sojaextrakt mit Haematococcus-Extrakt (einer Süßwasseralge mit ebenfalls hohem Antioxidantiengehalt) kombiniert, was die mRNA- und Proteinexpression von MMP-1 herabregulierte. Daidzein, ein Soja-Isoflavon, zeigte nachweislich Anti-Falten-, aufhellende und feuchtigkeitsspendende Wirkungen. Daidzein wirkt möglicherweise durch Aktivierung des Östrogenrezeptors β in der Haut, was zu einer verstärkten Expression endogener Antioxidantien und einer verringerten Expression der Transkriptionsfaktoren führt, die die Proliferation und Migration von Keratinozyten fördern. Das aus Soja gewonnene Isoflavon Equol erhöhte Kollagen und Elastin und verringerte die MMP-Konzentration in Zellkulturen.
Weitere In-vivo-Studien an Mäusen zeigen eine Verringerung des UVB-induzierten Zelltods und der Epidermisdicke nach topischer Anwendung von Isoflavonextrakten. In einer Pilotstudie mit 30 postmenopausalen Frauen führte die orale Gabe von Isoflavonextrakt über sechs Monate zu einer erhöhten Epidermisdicke und einem Anstieg des dermalen Kollagens, gemessen anhand von Hautbiopsien in sonnengeschützten Bereichen. In einer separaten Studie hemmten gereinigte Soja-Isoflavone den UV-induzierten Keratinozytentod und reduzierten den transepidermalen Wasserverlust (TEWL), die Epidermisdicke und das Erythem in UV-exponierter Mäusehaut.
Eine prospektive, doppelblinde, randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) mit 30 Frauen im Alter von 45–55 Jahren verglich die topische Anwendung von Östrogen und Genistein (Soja-Isoflavon) auf die Haut über 24 Wochen. Obwohl die Gruppe, die Östrogen auf die Haut auftrug, bessere Ergebnisse erzielte, zeigten beide Gruppen, basierend auf Hautbiopsien der präaurikulären Haut, einen Anstieg des Kollagens Typ I und III im Gesicht. Soja-Oligopeptide können den Erythemindex in UVB-exponierter Haut (Unterarm) senken und sonnenverbrannte Zellen sowie Cyclobuten-Pyrimidin-Dimere in UVB-bestrahlten Vorhautzellen ex vivo reduzieren. Eine randomisierte, doppelblinde, Vehikel-kontrollierte klinische Studie über 12 Wochen mit 65 weiblichen Probandinnen mit moderaten Lichtschäden im Gesicht zeigte im Vergleich zum Vehikel eine Verbesserung von Pigmentflecken, Rötungen, Mattheit, feinen Linien, Hautstruktur und Hautton. Zusammengenommen könnten diese Faktoren potenzielle Anti-Aging-Effekte bieten, jedoch sind weitere, aussagekräftigere randomisierte klinische Studien erforderlich, um den Nutzen ausreichend nachzuweisen.

4. Diskussion
Pflanzliche Produkte, darunter die hier besprochenen, besitzen potenziell Anti-Aging-Wirkungen. Zu den Wirkmechanismen pflanzlicher Anti-Aging-Präparate zählen die Fähigkeit topisch angewendeter Antioxidantien, freie Radikale zu neutralisieren, ein verbesserter Sonnenschutz, eine gesteigerte Hautfeuchtigkeit sowie verschiedene Effekte, die zu einer erhöhten Kollagenbildung oder einem verringerten Kollagenabbau führen. Einige dieser Effekte sind im Vergleich zu Medikamenten zwar geringer, doch schmälert dies nicht ihren potenziellen Nutzen in Kombination mit anderen Maßnahmen wie dem Meiden der Sonne, der Verwendung von Sonnenschutzmitteln, der täglichen Feuchtigkeitspflege und der angemessenen ärztlichen Behandlung bestehender Hauterkrankungen.
Pflanzliche Inhaltsstoffe bieten zudem alternative, biologisch aktive Substanzen für Patienten, die ausschließlich „natürliche“ Inhaltsstoffe auf ihrer Haut verwenden möchten. Obwohl diese Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sind, ist es wichtig, Patienten darauf hinzuweisen, dass dies nicht bedeutet, dass sie keine Nebenwirkungen haben. Tatsächlich sind viele pflanzliche Produkte als potenzielle Auslöser von allergischer Kontaktdermatitis bekannt.
Da für Kosmetikprodukte nicht der gleiche Evidenzgrad für den Wirksamkeitsnachweis erforderlich ist, lässt sich oft nur schwer feststellen, ob Behauptungen über Anti-Aging-Effekte zutreffen. Einige der hier aufgeführten Pflanzenstoffe weisen jedoch potenzielle Anti-Aging-Wirkungen auf, für die aber weitere, aussagekräftigere klinische Studien notwendig sind. Obwohl es schwierig ist, vorherzusagen, welchen direkten Nutzen diese Pflanzenstoffe Patienten und Verbrauchern in Zukunft bringen werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Formulierungen, die diese Pflanzenstoffe als Inhaltsstoffe enthalten, weiterhin als Hautpflegeprodukte auf den Markt kommen werden. Wenn sie ein hohes Sicherheitsprofil, eine hohe Verbraucherakzeptanz und einen optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen, werden sie Teil der täglichen Hautpflege bleiben und einen minimalen Nutzen für die Hautgesundheit bieten. Für eine begrenzte Anzahl dieser Pflanzenstoffe könnte jedoch eine größere Wirkung auf die Allgemeinbevölkerung erzielt werden, indem die Evidenz ihrer biologischen Wirkung durch standardisierte Hochdurchsatz-Biomarker-Assays gestärkt und die vielversprechendsten Wirkstoffe anschließend klinischen Studien unterzogen werden.
Veröffentlichungsdatum: 11. Mai 2023